Italien testet hybrides Holzsystem für höhere, erdbebensichere Gebäude
HyWood4Buildings kombiniert Massivholzwände mit einem Stahl-Holz-Aussteifungssystem, um regionales Holz in höheren und wiederverwendbaren Bauten effizienter einzusetzen.
Ein im Februar 2026 abgeschlossenes italienisches Programm untersuchte einen hybriden Weg zu höheren Holzbauten. HyWood4Buildings, über die Universität Bologna geleitet und durch PRIN finanziert, kombiniert zwei zusammenwirkende Tragwerke, statt alle Lasten einem Holzprodukt zuzuweisen.
SoN-Wall nutzt Massivholzwände primär für Eigen- und Nutzlasten. HyST-LaR, ein Stahl-Holz-Hybrid, nimmt Horizontallasten auf und stabilisiert höhere Gebäude. Die Forschung adressiert Wind und Erdbeben ohne flächendeckenden Einsatz von Holzwerkstoffen.
Regionales Holz und Hochleistungsingenieurwesen
Mass-Timber-Bauten nutzen oft CLT und Brettschichtholz wegen berechenbarer Eigenschaften und großer Formate. Das Projekt lehnt sie nicht ab, sondern untersucht selektiven Einsatz neben regionalem Vollholz.
Wenn technische Produkte nur dort eingesetzt werden, wo sie nötig sind, können lokale Sägewerke mehr Bedarf decken. Ziele sind optimierter Einsatz und effiziente Nachfrage nach Vollholz.
Die Trennung klärt den Lastpfad. Gravitationswände müssen nicht jede Aussteifungsfunktion erfüllen; das Stabilisierungssystem wird für Wind und Erdbeben geplant. Reale Projekte benötigen dennoch spezifische Analyse, Anschlüsse, Brandschutz und Prüfung; das Konzept ist keine Vorschrift.
Italiens Erdbebenkontext
Erdbebensicherheit ist unverzichtbar. Geringe Masse kann Trägheitskräfte reduzieren, garantiert aber keine Sicherheit. Anschlüsse, Duktilität, Abheben, Kippen, Scheibenwirkung und Fundamentübertragung bestimmen die Leistung.
Hybridisierung schafft zusätzliche Werkzeuge. Stahl liefert konzentrierte Festigkeit und Duktilität, Holz trägt Vertikallasten und speichert biogenen Kohlenstoff. Die Schnittstelle ist die kritische Zone.
Digitale Plattformen müssen Anschlüsse und Lastpfade explizit abbilden. Ein Modell nur mit Platten prüft das Zusammenspiel nicht. Identitäten, Verbindergeometrie, Toleranzen und Demontage müssen von Analyse bis Fertigung verknüpft bleiben.
Planung für ein zweites Tragwerksleben
HyWood4Buildings nennt Demontage und Wiederverwendung als Ziele. Ein Bauteil kann anfangs erneuerbar sein; Kreislaufbau fragt, ob es Jahrzehnte später getrennt, geprüft und wieder eingesetzt werden kann.
Reversible Verbindungen und Materialakten sind wesentlich. Klebstoffe, verdeckter Stahl, Brandschutz und Durchdringungen erschweren Rückgewinnung. Digitale Pässe können Klasse, Maße, Exposition und Anschlüsse dokumentieren.
Das Projekt endete am 28. Februar 2026, doch die Universitätsbeschreibung nennt Forschungsziele, kein zugelassenes Produkt. Veröffentlichte Tests, Methoden und Demonstratoren entscheiden über die Praxisreife.
Die Richtung bleibt wertvoll: regionales Vollholz, Holzwerkstoffe und Stahl nach Funktion statt Materialreinheit kombinieren. Für höhere Gebäude in Erdbebengebieten kann ein sorgfältig geplanter Hybrid skalierbar sein.
Als Nächstes sollten Ergebnisse und Annahmen transparent publiziert werden. Ingenieure brauchen quantifizierte Steifigkeit, Festigkeit, Duktilität und Anschlussleistung. Ein Demonstrator in Originalgröße zeigt zudem Fertigungs- und Montagefragen, die Modelle nicht erfassen.
Quellen: https://www.unibo.it/en/research/projects-and-initiatives/prin/19069/1906930541/30789 https://www.unibo.it/it/ricerca/progetti-e-iniziative/prin/19069/1906930541/30789









