Massivholz oder Beton mit 12 Geschossen: die Dartmouth-Studie
Eine neue Studie vergleicht Erstkosten, Bauzeit, Finanzierung und graue Emissionen für ein geplantes Mietshaus mit 12 Geschossen.
Eine im Frühjahr 2026 veröffentlichte Machbarkeitsstudie liefert, was Debatten über den Holzbau oft vermissen lassen: zwei optimierte Entwürfe für dasselbe geplante zwölfgeschossige Wohngebäude. Einer nutzt Massivholz, der andere Beton. Der Vergleich aus Dartmouth, Nova Scotia, kürt keinen einfachen Sieger. Er zeigt, wo Holz mehr kostet, wo Zeit die Rechnung verändert und warum ein fairer Vergleich beginnen muss, bevor das Tragwerk feststeht.
Was die Studie verglich
Das Team entwickelte parallele Varianten für ein Mietgebäude, statt nach abgeschlossener Planung Beton durch Holz zu ersetzen. Der Unterschied ist wichtig. Stützenraster, Deckensysteme, Brandschutz, Haustechnik, Lieferlogistik und Montagefolge reagieren auf den Baustoff. Ein direkter Austausch kann das alternative System für Entscheidungen benachteiligen, die um die Referenz herum getroffen wurden.
Die Studie untersucht Baukosten, Terminplan, Projektfinanzierung und graue Emissionen des Tragwerks. Eine unabhängige Berichterstattung vom 7. Mai bezifferte den geschätzten Erstkostenaufschlag der optimierten Massivholzvariante gegenüber Beton auf 8,39 %. Das ist ein relevanter Abstand. Er ist aber nur eine Zeile im Entwicklungsmodell.
Zeit gehört zu den Kosten
Massivholzbauteile können gefertigt werden, während Fundamente und Erdarbeiten laufen, und anschließend in geplanter Folge montiert werden. Die Studie weist für Holz einen kürzeren Rohbau- und Hüllenterminplan aus. Eine kürzere Dauer kann Baustellengemeinkosten, Gerätemiete, Aufsicht und Finanzierungszeit reduzieren. Eine frühere Fertigstellung kann zudem Mieteinnahmen vorziehen.
Diese Vorteile entstehen nicht automatisch. Sie brauchen einen Planungsstopp, koordinierte Öffnungen, verlässliche Beschaffung und eine Montageplanung, die das digitale Modell als Produktionsinformation behandelt. Späte Änderungen, die bei Beton lästig sind, können bei vorgefertigtem Holz teuer werden, wenn Platten bereits zugeschnitten sind. Der Terminwert wird durch Vorbereitung verdient.
Darum ist ein prozentualer Aufschlag in der Kostenschätzung nicht die endgültige Renditedifferenz. Erstkosten, Zinsen, Einnahmebeginn und Risikoreserven gehören in denselben Vergleich. Ein schnelleres Tragwerk beseitigt nicht jeden Aufschlag, verschiebt aber den Break-even.
Kohlenstoff ist ein anderes Konto
Der Bericht vergleicht auch die grauen Emissionen des Tragwerks. Holz startet gewöhnlich mit niedrigeren Herstellungsemissionen als Stahlbeton und speichert vorübergehend biogenen Kohlenstoff. Die Ergebnisse hängen dennoch von Bilanzgrenzen, deklarierten Einheiten, Transport, Klebstoffen, Betonrezepturen, End-of-Life-Annahmen und der Methode für biogenen Kohlenstoff ab.
Die sinnvolle Lehre lautet nicht, dass jeder Kubikmeter Holz automatisch ein CO₂-armes Gebäude garantiert. Mengen müssen aus vergleichbaren Entwürfen stammen und nach denselben Regeln bewertet werden. Ein leichteres Holztragwerk kann Fundamente und Transporte verändern; Akustikaufbauten, Verbinder und Brandschutz fügen Materialien hinzu, die im Modell nicht verschwinden dürfen.
Risiken verschwinden nicht
Die Studie nennt frühe Lieferantenbeteiligung, Marktkapazität, Versicherung, Feuchtemanagement, Brandschutzplanung und Koordination. Nichts davon macht zwölf Geschosse in Holz unmöglich. Es bedeutet aber, dass sich das Gebäude nicht allein mit einem pauschalen Quadratmeterpreis seriös kalkulieren lässt.
Beton verfügt über vertraute Lieferketten und etablierte Kalkulationsroutinen. Holz kann Tempo und Präzision bieten, verlagert Entscheidungen aber nach vorne. Das betrifft Verträge ebenso wie die Technik. Wem gehört das Fertigungsmodell? Wann werden Öffnungen eingefroren? Wie werden Änderungen nach Produktionsfreigabe genehmigt? Welcher temporäre Wetterschutz ist enthalten? Die kommerzielle Antwort entscheidet, ob der theoretische Terminvorteil bestehen bleibt.
So lässt sich der Vergleich nutzen
In der Konzeptphase kann das Team wenige disziplinierte Alternativen statt vieler dekorativer Varianten prüfen. Ausgangspunkt sind gleiche Vorgaben zu Nutzfläche, Höhe, Brandschutz, Akustik und Energie. Dann erhält jedes System ein sinnvolles Raster und einen passenden Deckenaufbau. Mengen, Bauaktivitäten und früh nötige Entscheidungen werden dokumentiert.
Danach folgt die Sensitivität. Holzpreis, Betonpreis, Zins, Dauer und Reserve ändern sich einzeln. So zeigt sich, welche Annahmen das Ergebnis wirklich steuern. Kippt es wegen einer Woche oder eines kleinen Lieferantenzuschlags, wurde ein zu untersuchendes Risiko gefunden, kein zu bewerbender Fakt.
Schließlich bleiben die verworfene Variante und ihre Annahmen erhalten. Diese Prüfspur macht spätere Optimierung ehrlicher und gibt dem fertigen Projekt eine Basis, um geschätztes Tempo, Abfall und Kohlenstoff zu prüfen.
Was die Überschrift nicht bedeutet
Dies ist eine Machbarkeitsstudie für ein geplantes Gebäude, kein Bericht über ein abgeschlossenes Projekt. Die Schätzungen gelten für Ort, Entwurf, Marktzeitpunkt und genannte Annahmen. Die 8,39 % sind kein universeller Massivholzaufschlag. Ein anderes Raster, eine andere Höhe, Vergabe, Arbeitsmarktlage oder Regelstrategie kann ein anderes Ergebnis liefern.
Die Studie beweist auch nicht, dass Beton nach allen Finanzierungseffekten günstiger bleibt oder Holz durch die Geschwindigkeit günstiger wird. Sie liefert einen transparenten Rahmen, um diese Fragen projektbezogen zu prüfen.
Die FrameVerk-Perspektive
Die größte Softwarechance ist kein Knopf, der „Beton“ in „Holz“ verwandelt. Es ist eine frühe Vergleichsumgebung, in der Raster, Spannweiten, Plattengrößen, Verbindungstypen, Akustik- und Brandschutzaufbauten, Logistik und Terminannahmen verknüpft bleiben.
Ein nützliches Konzeptmodell sollte Mengen und Kohlenstoff neben Fertigungsgrenzen zeigen. Es sollte warnen, wenn eine späte Schachtverschiebung mehrere Platten betrifft, eine Transportgrenze die Elementierung verändert oder ein Deckenaufbau die andernorts eingesparte Bauhöhe aufzehrt. Kosten und Termine müssen aus demselben Planungsstand aktualisiert werden.
Die Dartmouth-Studie spricht für vergleichendes Entwerfen vor der Festlegung. Holz gewinnt nicht jede Zeile. Genau das macht das Ergebnis wertvoll: Schlagworte werden durch ein Modell ersetzt, das sich prüfen, verfeinern und später mit realen Projektdaten vergleichen lässt. Der Vergleich legt echte Abwägungen offen, statt sie hinter einem Mittelwert zu verstecken. Diese Disziplin hilft besonders, solange frühe Budgets noch große Unsicherheit enthalten.
Quellen
- WoodWorks Atlantic, “Tall Wood Feasibility Study,” 2026: https://atlanticwoodworks.ca/tall-wood-feasibility-study/
- Canadian Wood Council, “Tall Wood Feasibility Study — Mass Timber and Concrete,” April 2026: https://cwc.ca/wp-content/uploads/2026/04/Apr2726_CWC_TallWoodFeasibilityStudy.pdf
- ConstructConnect Daily Commercial News, “Atlantic Canada’s first tall mass timber tower? Dartmouth study compares mass timber vs. concrete,” 7. Mai 2026: https://canada.constructconnect.com/dcn/news/projects/2026/05/atlantic-canadas-first-tall-mass-timber-tower-dartmouth-study-compares-mass-timber-vs-concrete









