Predazzos Olympisches Dorf baut sein Vermächtnis aus Holz
Das Dorf der Winterspiele 2026 in Predazzo verbindet neue Unterkünfte aus Holz und Stahl mit sanierten historischen Gebäuden; nach Abreise der Athleten geht der dauerhafte Campus an die Guardia di Finanza zurück.
Das Olympische und Paralympische Dorf in Predazzo zeigt anschaulich, wie Veranstaltungsinfrastruktur für eine dauerhafte Nutzung geplant werden kann. Der Campus entstand in der Alpinschule der Guardia di Finanza im Trentino und beherbergte während Milano Cortina 2026 die Athleten im Skilanglauf und Skispringen. Nach den Spielen gehen die modernisierten Gebäude wieder an die Schule.
Holz prägt die neuen Unterkünfte. Der zentrale Neubaupavillon umfasst 192 Zimmer und bis zu 384 Betten auf vier Ebenen. Die Provinz Trient beschreibt ihn als Holz-Stahl-Gebäude: Stahlbeton ist auf die Fundamente beschränkt, Stahl wird im zentralen Tragkörper eingesetzt. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit 124,7 kWp.
Der Latemar-Pavillon wurde abgerissen und mit 119 Betten neu errichtet. Seine erste Ebene besteht aus Stahlbeton, damit sie künftig für Servicefunktionen umgebaut werden kann; die Obergeschosse sind aus Holz. Auf dem Dach kamen 30 kWp Photovoltaik hinzu.
Dauerhafte Zimmer statt temporärer Kulisse
Olympiabauten werden oft kritisiert, wenn es für die Anlagen nach der Veranstaltung keine überzeugende Nutzung gibt. Predazzos Strategie beginnt mit einer bestehenden Institution, die Unterkünfte und Trainingsinfrastruktur ohnehin benötigt. Die neuen und sanierten Räume wurden für die Spiele konfiguriert, haben danach aber einen feststehenden Betreiber.
Zum Gesamtprogramm gehörten außerdem Restaurierung und Erdbebenertüchtigung des geschützten Macchi-Pavillons aus dem frühen 20. Jahrhundert, barrierefreie Anpassungen am Nicolaucich-Pavillon und Arbeiten am Musto-Pavillon. Diese Mischung aus Neubau und adaptiver Wiederverwendung behandelt den Campus nicht als unbebautes Grundstück.
Für Holzplaner zeigt das Projekt, wie sich die Systemwahl an der künftigen Nutzung orientieren kann. Latemars Serviceebene aus Beton und seine hölzernen Obergeschosse sind eine hybride Antwort, kein symbolisches Nur-Holz-Statement. Der Neubaupavillon nutzt Holz umfassend, behält Stahl aber dort, wo ihn die zentrale Struktur benötigt.
Warum das alpine Umfeld die Vorfertigung begünstigt
Bauen im Gebirge bedeutet kurze Jahreszeiten, Schnee, schwierige Zufahrt und wenig Baustellenfläche. Vorgefertigte Holzelemente verlagern mehr Arbeit in kontrollierte Werksbedingungen und ermöglichen eine schnelle trockene Montage. Der Vorteil hängt von exakter digitaler Koordination ab: Zimmergrundrisse, Leitungsdurchführungen, Plattengeometrie, Brandschotts und Fassadenschnittstellen müssen vor der Fertigung gelöst sein.
THEURL, einer der Holzlieferanten des Alpinschulprojekts, betonte die von den Winterspielen gesetzte Frist. Olympische Liefertermine lassen sich kaum verschieben; planbare Produktion und Montage sind deshalb besonders wertvoll.
Geschwindigkeit darf jedoch Feuchte- und Dauerhaftigkeitsplanung nicht verdrängen. Holzbauteile brauchen Schutz bei Transport, Lagerung und Montage, besonders im alpinen Winterklima. Dachschluss, temporäre Membranen, Entwässerung und dokumentierte Feuchtekontrollen gehören zu einer erfolgreichen Vorfertigungsstrategie.
Eine messbare Fallstudie von 2026
Predazzo ist über die Sportarchitektur hinaus relevant, weil konkrete Zahlen vorliegen. Der Neubaupavillon besitzt knapp 34.000 Kubikmeter Volumen; Latemar ergänzt etwas mehr als 11.000. Zusammen belegen sie Holz in dauerhaften mehrgeschossigen Unterkünften mit Anforderungen an Barrierefreiheit, Energie und Nachnutzung.
Behauptungen, das Projekt sei vollständig „ökokompatibel“ oder recycelbar, sind dennoch kritisch zu lesen. Die wirkliche Umweltleistung hängt von Materialherkunft, Hybridkomponenten, Betriebsenergie, Wartung und End-of-Life-Entscheidungen ab. Photovoltaik und Konstruktionsholz sind sinnvoll, doch eine Gesamtbewertung erfordert Lebenszyklusdaten.
Die stärkste Lehre ist das Nachnutzungsmodell. Predazzo baute kein Wegwerf-Holzdorf. Die Spiele dienten zur Erneuerung eines aktiven Alpincampus, verbunden mit Holzbau, Sanierung und einem klar benannten langfristigen Eigentümer. Damit ist das Projekt für Schulen, Wohnheime und institutionelles Wohnen glaubwürdiger als eine temporäre Olympiaanlage.
Der Betrieb nach den Spielen liefert den nächsten Test. Energieverbrauch, Wartungsprotokolle und das Verhalten der hölzernen Gebäudehüllen im Gebirgsklima können aus einem einmaligen Terminerfolg belastbare Erkenntnisse für künftige öffentliche Projekte machen.
Quellen: https://provincia.trento.it/milanocortina2026/sedi-di-gara/villaggio-olimpico-e-paralimpico/ https://www.agenziademanio.it/it/sala-stampa/notizie/notizia/Milano-Cortina-2026-avviati-i-cantieri-per-il-Villaggio-Olimpico-di-Predazzo-TN https://www.theurl-holz.at/en/references/scuola-alpina-guardia-di-finanza-predazzo/









