Klingt CLT immer hohl? Das zeigen neue Hörtests
Eine Studie von 2026 macht simulierte Schritte und Sprünge zu Planungswissen für leisere CLT-Decken.
Klingt CLT immer hohl?
Der Mythos sagt, Holzdecken klängen hohl. Er mischt Trittschall, Luftschall, Schwingung, Oberflächen und Erwartungen zu einem Urteil über das Material. Die Studie in der Juni-Ausgabe 2026 von Building Acoustics fragt sinnvoller: Welche konstruktiven Entscheidungen lassen tieffrequente Stöße für Menschen leiser klingen?
Die Forschenden modellierten ein zweigeschossiges CLT-Testgebäude, wandelten Tragwerksantworten in Schall und spielten sie 20 normalhörenden Erwachsenen vor. Sie hörten 12 Fälle: drei Plattendicken, mit oder ohne Träger sowie Sprung- oder Laufkräfte.
Warum tiefe Frequenzen stören
Das Norm-Hammerwerk ist wiederholbar, doch Ferse, springendes Kind oder Läufer speisen schwerere Energie unter 100 Hz ein. Sie läuft durch die Decke und wird als dumpfer Schlag statt nur als Klick erlebt.
Ein Einzahlwert kann deshalb gut sein, obwohl einzelne Ereignisse stören. Frühere CLT-Arbeiten verglichen Hammerwerk und Gummiball, weil die Quelle bestimmt, was der Versuch sichtbar macht.
Was untersucht wurde
Virtuelle Platten waren 150, 210 und 270 mm dick. Jede wurde ohne und mit Trägern bei halber und Viertelspannweite untersucht. Das Modell erhielt einen Sprung von 1,2 kN über 20 ms und einen Laufstoß von 0,6 kN über 30 ms; die Antworten wurden zu Audiosignalen.
Die Teilnehmenden schätzten alle 12 Reize und verglichen die sechs Sprungfälle paarweise. Der Ereignis-Maximalpegel LAFmax korrelierte stark mit beiden Wahrnehmungsmethoden. Das Hören war Teil des Nachweises.
Ergebnis der Träger
Integrierte Träger senkten LAFmax um 1,9 dB bei 150 mm, 1,3 dB bei 210 mm und 5,9 dB bei 270 mm, im Mittel 3,1 dB. Dickere Platten waren in den geprüften Fällen durchgehend leiser.
Nicht jeder Träger garantiert 3,1 dB. Das Ergebnis gehört zu Geometrie, Auflagern, Raum und Modellstößen. Es zeigt aber, dass Steifigkeit und modales Verhalten das menschliche Hören verändern können.
Was es nicht beweist
Die Studie ordnet nicht alle CLT-Decken und ersetzt keine Akustikplanung. Reale Gebäude ergänzen Wände, Deckenbekleidung, schwimmenden Estrich, elastische Lagen, Leitungen und Flankenwege. Eine starre Befestigung kann eine Dämmschicht umgehen.
„Dicker ist leiser“ ist nicht automatisch optimal. Mehr Holz verändert Kosten, Gewicht, Spannweite und Verbindungen; ein Träger verändert Deckenraum und Leitungen. Akustik braucht Koordination mit Tragwerk, Brand, Feuchte und Architektur.
Checkliste für Einsteiger
Ereignis und Empfänger definieren: Schritte zwischen Wohnungen, Fitnessraum, Flur über Schlafzimmer, Sprache oder Schwingung? Frequenzen und Kennwerte erfragen und klären, ob ein Gummiball den Standardversuch ergänzt.
Platte, Träger, Estrich, elastische Lage, Bekleidung, Anschlüsse, Durchdringungen und Fassade als Baugruppe erfassen. Kanäle und Befestigungen vor Fertigung koordinieren, damit vor Ort keine starren Schallbrücken entstehen.
Schließlich mit Muster, Inspektion und Messung prüfen. Fotos und freigegebene Details sichern; ein Umbau kann das Ergebnis zerstören, wenn jemand durch die schwimmende Lage schraubt.
Mythos, Fakt und bessere Sprache
Mythos: CLT klingt zwangsläufig hohl. Fakt: tieffrequenter Trittschall ist bekannt, und die geprüfte Konfiguration änderte Pegel und Wahrnehmung. Präzise heißt es: Diese Baugruppe erreicht unter diesem Stoß ein definiertes Komfortziel oder nicht.
Die FrameVerk-Sicht
Das digitale Deckenobjekt braucht Auflager, Träger, Schichten, Anschlüsse, Öffnungen und Nachweise, nicht nur Dicke. Bricht eine Leitung den geprüften Aufbau, muss das Modell die Änderung melden.
Auralisierung verband Simulation und Wahrnehmung. Künftig könnten Teams Varianten vor dem Bau vergleichen und anhören, wobei Unsicherheit und fachliche Prüfung klar sichtbar bleiben.
Für Auftraggeber muss „leise“ zu benannten Tätigkeiten, Empfangsräumen, Zeiten und Abnahmekriterien werden. Schlafzimmer unter Flur, Klassenraum unter Aktivraum und Büro unter Fitnessraum sind verschiedene Aufgaben. Klare Szenarien erlauben den Test des richtigen Aufbaus, bevor die Beschaffung die Geometrie festlegt.
Quellen
- Building Acoustics, „Low-frequency impact sound in CLT floors: Perceptual gains from beam integration“, Juni 2026: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1351010X261423668 - Building Acoustics, „Impact sound insulation performance measurements on CLT floors – Effect of excitation source type: Tapping machine and rubber ball“: https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1351010X241286783 - Lund University Publications, „Evaluating Laboratory Measurements for Sound Insulation of Cross-Laminated Timber (CLT) Floors“: https://lup.lub.lu.se/search/publication/0dc35a55-7d78-4769-a44f-e11a95621ca8









