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Deutsche Tragwerksingenieure prüfen einen wiedergewonnenen Holzbalken in einem Universitätslabor neben beschrifteten geborgenen Holzbauteilen
30. Juli 20263 Min Lesezeit

Deutschland startet CIRCTimber zur Wiederverwendung tragenden Holzes

Das neue, vom Bund geförderte Forschungsprojekt der TU Dresden untersucht, wie Konstruktionsholz demontiert, sortiert, aufbereitet und sicher in neue Gebäude eingeplant werden kann.


Deutschland hat ein dreijähriges Forschungsprojekt zu einer der schwierigsten Fragen des zirkulären Bauens gestartet: Wie lässt sich ein tragendes Holzbauteil sicher wiederverwenden?

CIRCTimber begann am 1. April 2026 und läuft bis März 2029. Das Projekt wird unter anderem von der Professur für Ingenieurholzbau der TU Dresden geleitet und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Es soll eine vollständige Wiederverwendungskette für Konstruktionsholz aufbauen und erproben.

Die Forschung umfasst Demontage, Transport, Lagerung, Prüfung, Aufbereitung und Wiederverwendung. In einem Reallabor wird der Ablauf praktisch erprobt; anschließend entsteht ein Demonstrator aus wiedergewonnenem Holz.

Tragende Wiederverwendung braucht Nachweise

Eine Tür oder eine Bodendiele wiederzuverwenden ist relativ einfach, weil ihre künftige Funktion möglicherweise nicht tragend ist. Bei einem Balken oder einer Stütze ist das anders. Ingenieure benötigen verlässliche Informationen über Materialeigenschaften, Zustand, Geometrie und Resttragfähigkeit.

Vorhandenes Holz kann Bohrungen, Ausklinkungen, Schäden durch Verbindungsmittel, Risse oder feuchtebedingte Beeinträchtigungen aufweisen. Ursprüngliche Sortiernachweise fehlen möglicherweise. Nutzungsgeschichte und Lasteinwirkungsdauer können unklar sein. Jedes fehlerhafte Bauteil auszusortieren verschwendet wertvolles Material; es ohne Nachweise anzunehmen schafft ein unvertretbares Risiko.

Die Tragwerksforschung der TU Dresden umfasst deshalb die Bewertung von neuem und wiedergewonnenem Holz, probabilistische Zuverlässigkeitsanalysen, die Untersuchung von Prüfmethoden und die Entwicklung von Bemessungsansätzen für wiederverwendete Bauteile. Ziel ist es, vorhandene Tragfähigkeit bei einem angemessenen Sicherheitsniveau zu nutzen.

Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen sind besonders wichtig, weil wiedergewonnene Bestände stärker schwanken und unvollständigere Informationen aufweisen als standardisierte Neuprodukte. Eine belastbare Methode muss Prüf- und Inspektionsdaten in Bemessungswerte und zulässige Anwendungen übersetzen – nicht bloß ein allgemeines Nachhaltigkeitssiegel erzeugen.

Die gesamte Kette ist das Experiment

CIRCTimber untersucht nicht nur einen einzelnen Balken im Labor und überlässt alles Weitere dem Markt. Das Reallabor umfasst die gesamte operative Kette von der Demontage bis zum nächsten Tragwerk.

Diese umfassendere Sicht ist entscheidend. Selektiver Rückbau muss die Bauteile schützen. Transport und Lagerung müssen Feuchteschäden verhindern. Die Prüfung muss für reale Projekte schnell genug sein. Bei der Aufbereitung müssen alte Verbindungen entfernt oder berücksichtigt werden. Planer benötigen früh genug ein bekanntes Inventar. Ausführende und Bauherren brauchen klare Zuständigkeiten und Dokumentation.

Das Projekt berücksichtigt auch wirtschaftliche und psychologische Bedingungen. Wiedergewonnenes Holz kann selbst bei technischer Eignung auf Vorbehalte stoßen. Bauherren verbinden Schwankungen womöglich mit schlechter Qualität, während Ingenieure und Versicherer vertraute Standardprodukte bevorzugen. Ein tragfähiges Geschäftsmodell muss Qualität sichtbar machen und Haftung eindeutig zuweisen.

Ein digitaler Materialpass ist nur der Anfang

Digitale Rückverfolgbarkeit kann Wiederverwendung unterstützen, doch ein Pass allein weist keine Tragfähigkeit nach. Nützliche Daten müssen Identität, Ort, Abmessungen, Holzart, Prüfergebnisse, Veränderungen und zugelassene künftige Anwendungen miteinander verknüpfen.

Für Planungssoftware weist CIRCTimber in Richtung einer inventarbasierten Modellierung. Statt unbegrenzt viele identische Querschnitte anzufordern, kann ein Ingenieur mit einer endlichen Menge einzigartiger Bauteile arbeiten. Die Optimierung muss diese Teile unter Berücksichtigung von Tragfähigkeit, Spannweite, Verbindung und Fertigungsbedingungen den Positionen zuordnen.

Dieser Ablauf braucht zudem eine lückenlose Prüfspur. Wird ein wiedergewonnener Balken gekürzt oder ein beschädigter Bereich entfernt, müssen sich sein digitaler Datensatz und seine verfügbare Tragfähigkeit ändern. Zeichnungen, CNC-Dateien, Listen und statische Nachweise müssen dieselbe Bauteilidentität referenzieren.

Was der Demonstrator belegen kann

Der geplante Demonstrator aus wiedergewonnenem Holz wird die technische Machbarkeit unter kontrollierten Projektbedingungen zeigen. Für sich genommen wird er weder universelle Bemessungswerte noch eine sofortige baurechtliche Akzeptanz für Holz aus jeder Gebrauchtquelle schaffen.

Das wertvollste Ergebnis wird ein wiederholbarer Bewertungs- und Entscheidungsprozess sein: Was lässt sich direkt wiederverwenden, was muss aufbereitet werden, was gehört in eine weniger anspruchsvolle Anwendung und was ist auszusortieren? Diese Hierarchie kann sowohl unsicheren Optimismus als auch unnötige Entsorgung verhindern.

CIRCTimber bietet Deutschland 2026 ein praxisnahes Versuchsfeld für zirkuläres Konstruktionsholz. Gelingt es dem Projekt, verlässliche Ingenieurmethoden mit praktikabler Logistik und vertrauenswürdiger Dokumentation zu verbinden, könnte Wiederverwendung vom maßgeschneiderten Experiment zur normalen Option im Holzbau werden.

Sources: https://tu-dresden.de/bu/bauingenieurwesen/ish/holzbau/forschung/forschungsprojekte/circtimber

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