SITCA gründet eine globale Wissenschaft-Industrie-Allianz für den Holzbau
Die im Juli 2026 in Wien ins Leben gerufene Science and Timber Construction Alliance bringt Forscher und Großunternehmen zusammen, um Holzressourcen, Kohlenstoffspeicherung und den nachhaltigen Ausbau von Holzgebäuden zu untersuchen.
Eine neue internationale Allianz vereint wissenschaftliche Forschung und Fähigkeiten der Holzindustrie auf einer Plattform. Die Science and Timber Construction Alliance – SITCA – wurde am 1. Juli 2026 in Wien vom International Institute for Applied Systems Analysis und Gründungspartnern aus Forstwirtschaft, Fertigung und Baugewerbe ins Leben gerufen.
Der offizielle Name ist wichtig: SITCA steht für Science and Timber Construction Alliance. Ziel ist es, eine fundierte Beweisgrundlage für die Ausweitung des Holzbaus zu schaffen und gleichzeitig die Waldressourcen zu schützen und Kohlenstoff korrekt zu bilanzieren.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen IIASA, Hilti, WIEHAG, binderholz, EGGER, Stora Enso und die Österreichischen Bundesforste. Der Mix spiegelt die Fragen wider, mit denen sich die Allianz befassen möchte: globale Waldverfügbarkeit, nachhaltige Ernte, Produktherstellung, Gebäudesysteme, Wiederverwendung und Recycling.
Über vereinfachte CO2-Angaben hinausgehen
Holzgebäude speichern während ihrer Nutzungsdauer biogenen Kohlenstoff, und der Ersatz emissionsintensiverer Materialien kann bei geeigneten Anwendungen die körperlichen Auswirkungen reduzieren. Das Gesamtergebnis hängt jedoch von der Waldbewirtschaftung, dem Nachwachsen, der Energieverarbeitung, dem Transport, der geplanten Lebensdauer, der Wiederverwendung und der Behandlung am Ende der Lebensdauer ab. Eine Tonne Holz in einem Gebäude kann ohne das umfassendere System nicht verantwortungsvoll bewertet werden.
SITCA will anhand wissenschaftlicher Modellierungen und Branchendaten untersuchen, wie stark der Holzbau in verschiedenen Regionen nachhaltig expandieren kann. Dazu gehört der Wettbewerb um Holz zwischen Bau, Platten, Papier, Energie und anderen Verwendungszwecken. Dazu gehört auch die Zeitdimension: Langlebige Produkte und eine zirkuläre Nutzung können dazu führen, dass Kohlenstoff länger gespeichert bleibt und mehr Wert aus derselben Ressource gewonnen wird.
Das Bündnis ist daher nicht einfach eine Interessensvertretung für „überall mehr Holz“. Seine Glaubwürdigkeit wird von transparenten Annahmen, regionalen Szenarien und von Experten überprüften Beweisen abhängen, die sowohl Chancen als auch Einschränkungen identifizieren.
Was die Branche von gemeinsam genutzten Daten benötigt
Architekten und Entwickler benötigen verlässliche Umweltwerte auf Produkt- und Projektebene. Hersteller benötigen Nachfrageszenarien, bevor sie in Kapazitäten investieren. Politische Entscheidungsträger müssen verstehen, ob Beschaffungsanreize mit der Waldverfügbarkeit und den Klimazielen im Einklang stehen.
Gemeinsame Forschung kann auch die Standards für Rechnungslegung, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft verbessern. Ein zur Demontage vorgesehener Träger kann mehr als ein Gebäude versorgen; ein Panel mit dokumentierter Zusammensetzung lässt sich leichter für die Wiederverwendung bewerten; und verifizierte Beschaffungsdaten können das Baumodell mit dem Waldbewirtschaftungskontext verbinden.
Digitale Designplattformen spielen eine praktische Rolle. Modelle auf Komponentenebene können Art, Qualität, Produkttyp, Zertifizierung, Umweltdaten und Informationen zur zukünftigen Demontage enthalten. Wenn Mengen und Fertigungsergebnisse von denselben Objekten stammen, lassen sich Projektnachweise einfacher prüfen und aggregieren, ohne dass die technische Bedeutung verloren geht.
Eine langfristige Koordinationsplattform
Die Einführung von SITCA führt nicht zu einer neuen Bauordnung oder Zertifizierung und regelt auch nicht die globale Debatte über die Holzversorgung. Es schafft einen organisierten Ort, an dem diese Fragen über Disziplinen und kommerzielle Grenzen hinweg untersucht werden können.
Für den Holzsektor könnte das wertvoller sein als ein weiteres isoliertes Demonstrationsprojekt. Eine verantwortungsvolle Skalierung erfordert vergleichbare Daten, glaubwürdige Kohlenstoffmethoden und ein gemeinsames Verständnis der Ressourcengrenzen. Um diese Grundlage zu schaffen, wurde SITCA gegründet.
Quellen: Internationales Institut für angewandte Systemanalyse, „SITCA: Eine Allianz für den globalen Übergang zum Holzbau“, Juli 2026; Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, SITCA-Startankündigung.









