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Münchens 27.500 m² großes Sun-Büro entsteht als Holzhybrid
30. Juli 20263 Min Lesezeit

Münchens 27.500 m² großes Sun-Büro entsteht als Holzhybrid

Brettschichtholz, Brettsperrholz und Holz-Beton-Verbundrippendecken bilden das Tragwerk von Sun, einem großen Münchner Arbeitsgebäude mit erneuerbarer Energie und flexiblen Grundrissen. COVER_IMAGE_ALT: Großes zeitgenössisches Holzhybrid-Bürogebäude im Bau in München mit Brettschichtholzstützen, Brettsperrholzdecken und begrüntem Innenhof


Im Münchner Stadtteil Berg am Laim nimmt ein großes Holzhybrid-Büroprojekt Gestalt an. Das rund 27.500 Quadratmeter große Projekt Sun kombiniert Stützen und Träger aus Brettschichtholz, Brettsperrholzplatten und Holz-Beton-Verbundrippendecken.

WIEHAG, das im Mai 2026 neue Projektdetails veröffentlichte, verantwortet Detailplanung, Fertigung und Montage des Holztragwerks. Der Leistungsumfang umfasst den Brettschichtholzrahmen, Verbunddecken, Wandelemente und Brettsperrholzplatten.

Sun ist ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wohin sich der europäische Büromarkt entwickelt. Es ist kein vollständig hölzernes Demonstrationsobjekt, sondern ein großes Hybridgebäude, das Holz, Beton und Gebäudetechnik gezielte Rollen zuweist und dabei den Stahlbetonanteil zu verringern versucht.

Holz-Beton-Decken im Bürobaumaßstab

Bürogebäude verlangen flexible Grundrisse, große Spannweiten, Schallschutz, Schwingungskontrolle und Raum für dichte mechanische und elektrische Installationen. Eine Holz-Beton-Verbundrippendecke lässt beide Materialien zusammenwirken: Holz liefert eine vorgefertigte Tragform, Beton steuert Steifigkeit, Masse und Drucktragfähigkeit bei.

Das Wort „Verbund“ ist entscheidend. Die Decke besteht nicht einfach aus nebeneinander angeordnetem Holz und Beton; das statische Zusammenwirken hängt von bemessenen Verbindungsmitteln und einem geplanten Lastpfad ab. Verbindungssteifigkeit, Langzeitverformung, Baufeuchte, Brandschutzbemessung und Akustikschichten müssen als System koordiniert werden.

Für Fertigungsteams wird damit auch die Informationsqualität kritisch. Öffnungen, Randdetails, Auflager und Installationsdurchdringungen müssen vor CNC-Bearbeitung und Montage geklärt sein. Eine späte Änderung der Haustechnik kann sowohl die Holzrippen als auch die darüberliegenden Betonarbeiten betreffen.

Ein Gebäude, das sich nach der Sonne richtet

Die Ausrichtung des Projekts folgt dem Sonnenlauf. Photovoltaikmodule an Fassaden und Dächern sollen einen wesentlichen Anteil des Energiebedarfs decken, unterstützt durch intelligentes Energiemanagement und Speicher aus recycelten Batterien. Eine reversible Luftwärmepumpe wird heizen und kühlen.

Der Arbeitsplatz ist mit flexiblen, anpassbaren Bereichen, Balkonen, Terrassen, Gründächern und einem zentralen begrünten Innenhof geplant. Diese Merkmale stützen die Umweltidee des Projekts; das tatsächliche Betriebsergebnis wird jedoch von Inbetriebnahme, realer Belegung und gemessenem Energieverbrauch nach Fertigstellung abhängen.

WIEHAG erklärt, die Hybridkonstruktion reduziere Stahlbeton und Emissionen der Bauphase. Im Mai-Artikel wurde keine projektspezifische Lebenszyklus-CO₂-Zahl angegeben; Vergleiche mit einem konventionellen Referenzbau sollten daher nicht erfunden werden. Holz kann die grauen Auswirkungen senken, doch das Ergebnis hängt von Materialmengen, Herkunft, Transport, Betonspezifikation, Nutzungsdauer und End-of-Life-Szenarien ab.

Warum Sun über München hinaus wichtig ist

Mit 27.500 Quadratmetern erprobt Sun die Holzhybrid-Realisierung in einem Maßstab, in dem Wiederholung und Logistik entscheidend sind. Große Büroprojekte können fortschrittliche Planung und Fertigung rechtfertigen, legen aber Koordinationsfehler schnell offen. Hunderte ähnliche Elemente müssen in richtiger Reihenfolge eintreffen, trocken bleiben und beim ersten Mal passen.

Das Projekt unterstreicht den Wert einer durchgängigen digitalen Kette von der Tragwerksplanung bis zur Fertigung. Brettschichtholzelemente, Brettsperrholzdecken, Verbundrippen, Verbindungsmittel und Wandelemente benötigen stabile Identitäten und Versionskontrolle. Die Montageplanung sollte mit Produktion und Transport verknüpft sein; Änderungen müssen weitergegeben werden, ohne widersprüchliche Zeichnungen oder Zuschnittsdaten zu erzeugen.

Sun zeigt außerdem, warum „Holz gegen Beton“ oft die falsche Gegenüberstellung ist. Hybridbau kann den Einsatz eines emissionsintensiven Materials verringern, ohne vorzugeben, dass ein Material sämtliche Leistungsanforderungen erfüllt. Die technische Aufgabe besteht darin, jedes Material nur dort einzusetzen, wo es messbaren Mehrwert bringt.

Worauf zu achten ist

Mit dem Projektfortschritt werden praktische Nachweise am wertvollsten: Montagegeschwindigkeit, Feuchtemanagement, Toleranzkontrolle, Deckenschwingungen, Schallschutzleistung und die abschließende Bilanz des gebundenen Kohlenstoffs. Diese Ergebnisse entscheiden, ob ähnliche Büroprojekte das System mit geringerem projektspezifischem Risiko übernehmen können.

Vorerst ist Sun ein starkes Signal des Jahres 2026 aus dem deutschen Gewerbemarkt. Holz hält in große, technisch anspruchsvolle Arbeitswelten Einzug – nicht nur als sichtbare Oberfläche, sondern als werkseitig gefertigtes Tragwerk, integriert mit Beton, Energietechnik und anpassbaren Räumen.

Quellen: https://www.wiehag.com/en/company/insights/sun-munich/

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