Oslo setzt zwei Holzgeschosse auf ein 150 Jahre altes Gebäude
Øvre Vollgate 11 verbindet geschütztes Mauerwerk mit Brettschichtholz-Fachwerken und Massivholzdecken – ein Beispiel für leichten, vorgefertigten Stadtumbau.
Im Zentrum Oslos wurden zwei Gebäude von 1875 und 1919 umgebaut statt ersetzt. Øvre Vollgate 11 trägt nun zwei neue Geschosse aus Brettschicht- und Massivholz, deren Lasten auf die bestehenden Außenwände geleitet werden.
Das 4.400 m² große Büroprojekt wurde 2026 als Beispiel wiederverwendungsorientierter Stadtentwicklung vorgestellt. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern die Verbindung aus Erhalt, zusätzlicher Fläche und moderner Holztechnik nahe dem Parlament.
Neuer Raum ohne schweren Rahmen
Die Geschosse schaffen rund 300 m². Laut Byggeindustrien wiegen die größten Massivholzdecken etwa 2,2 Tonnen, die Dachform bildenden BSH-Elemente rund eine Tonne.
Die Konstruktion vermeidet Zusatzlasten in inneren Stützenbereichen und verteilt sie auf tragende Außenwände. Wegen des geringen Gewichts waren keine umfangreichen Verstärkungen nötig.
Hier liegt eine Stärke des Holzes im Bestand. Aufstockung schafft Wert, doch jedes Kilogramm belastet Fundamente, Wände und Stützen. Vorfertigung ersetzt Aufmaß und Nachweis nicht, kann Eingriffe gegenüber schweren Lösungen aber verringern.
Die Teile wurden eingehoben. Auf engem Innenstadtgrundstück wandert Arbeit in die Fabrik und die Montagephase verkürzt sich. Exakte Geometrie ist entscheidend: Altbauten passen selten zu Idealmodellen; Aufmaß, Toleranzen und Anschlüsse müssen CNC-Präzision mit historischen Abweichungen verbinden.
Wiederverwendung über das neue Holz hinaus
Erhalten blieben etwa 1.900 Tonnen Beton, 2.700 Tonnen Ziegel und 750 m² Deckenstruktur. Stahltrennwände, Elektrokanäle und Treppen wurden wiederverwendet; Fenster erhielten Isolier- oder Zusatzverglasung.
Stahl-Glas-Türen dienen nun als Geländer. Kiefernböden und historische Details blieben. Die Strategie reicht über emissionsarmes Material hinaus: Die größte Einsparung entsteht oft durch den Erhalt des Gebäudes.
MAD architects arbeitete mit der Denkmalbehörde. Vorgefertigte Massivholzelemente bilden Dach- und Hofanbau, mit großen Öffnungen und einer Sprache zwischen Alt und Neu.
Gemeinsam genutzter Büroverbund
Das Gebäude gehört zu fünf umgebauten Immobilien. Besprechung, Kantine, Fitness, Fahrräder, Umkleiden, Podcast- und Projekträume, Abfall sowie Technik werden geteilt. Flächeneffizienz vermeidet doppelte Struktur und Ausstattung. Regenwasser, Bepflanzung und Nistkästen ergänzen das Projekt, das BREEAM-NOR anstrebt.
Die Lehre für den Holzbau
Nicht jeder Mauerwerksbau kann Holzgeschosse aufnehmen. Tragfähigkeit, Brand, Feuchte, Akustik, Denkmalschutz und Zugang erfordern individuelle Planung.
Die präzise Lehre: Leichtes Holz kann eine schwierige Erweiterung ermöglichen, wenn der Lastpfad die reale Kapazität des Bestands respektiert. Vorfertigung macht digitales Aufmaß, Anschlussmodell und Fertigungsdaten besonders wichtig.
Øvre Vollgate 11 zeigt eine Hierarchie: zuerst erhalten, Teile wiederverwenden, Flächen teilen und nur langfristig Wertvolles ergänzen. Das Holz oben liefert die Schlagzeile; die größere Leistung sind 150 Jahre Tragwerk, die weiter dienen.
Quellen: https://www.bygg.no/2026-oslo/ovre-vollgate-11/2899147 https://www.byggalliansen.no/aktuelt/manedens-prosjekt-ovre-vollgate-11 https://mad.no/prosjekter/ovre-vollgate-11/









